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Text von der Internetseite des Vereins „Förderkreis Hochbunker Körnerstraße 101 e. V.“

www.bunkerk101.de

  • Der Hochbunker und die Ehrenfelder Synagoge

"Der Hochbunker Körnerstraße liegt im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Am 17. August 1926 erwarb die Synagogengemeinde Köln einen Teil der ehemaligen Goldleisten- und Rahmenfabrik Koenemann in der Körnerstraße, um hier eine Synagoge zu errichteten.

Die Entwürfe zum Neubau der Synagoge und Umbau des bestehenden zweigeschossigen Hauses Körnerstr. 93 zur Religionsschule für Jungen und Mädchen erarbeitete der bedeutende Kölner Architekt Robert Stern (*1885; unbekannt), der auch die Bauleitung übernahm.

Stern entwarf 1927 auch das Friedhofsgebäude und die Trauerhalle für den jüdischen Friedhof in Bocklemünd und den berühmten Pavillon der „Jüdischen Sonderschau“ auf der „Pressa“ 1928.

Am 18. September 1927 fand in einer Feierstunde die Einweihung der Synagoge statt. Bereits 11 Jahre später während der Novemberpogrome 1938 vom 9. auf den 10. November wurde sie bis auf die Außenmauern zerstört. „Die Leute aus der Körnerstraße standen dabei und schauten einfach zu“ berichtet dazu ein Augenzeuge.

Auf unterschiedlichen Wegen brachte der Reichsfiskus (Luftfahrt) das gesamte Gelände in sein Eigentum, um hier 1942/43 einen Luftschutzbunker unmittelbar neben der zerstörten Synagoge zu errichten. Ob der Bau zunächst an der Stelle der zerstörten Synagoge geplant war, ist ungewiss.

Denn auch andere Hochbunker, zum Beispiel in Braunschweig, Hamburg, Frankfurt a. M. oder Siegen, wurden auf den Standorten von Synagogen errichtet, die von den Nationalsozialisten erst geschändet, dann abgerissen und schließlich als Örtlichkeiten für den Luftschutz der deutschen Bevölkerung genutzt wurden. Auch das Denkmalgutachten zum Hochbunker kommt zu dem Schluss: „Der Bau des Luftschutzbunkers in unmittelbarer Nachbarschaft hatte aber sicherlich neben den rein praktischen auch politische Gründe.“

  • Der Baukörper und die Nutzung des Hochbunkers

Bei dem Hochbunker handelt sich um ein dreigeschossiges, freistehendes Gebäude aus unverkleidetem Stahlbeton, das über erweitertem rechteckigem Grundriss mit einem pfannengedeckten Walmdach abschließt. Die Nutzfläche des Hochbunkers beträgt 1700 m². Die Anzahl der Schutzplätze wurde zuletzt mit 1502 angegeben. Zu dem Hochbunker gehört noch ein unbebauter rückwärtiger Grundstücksteil, der bis heute an einen Karnevalsverein verpachtet ist.

Der Hochbunker diente in den letzten beiden Kriegsjahren der Zivilbevölkerung als Schutz vor Luftangriffen und  danach noch bis Mitte der 1950er Jahre als Notunterkunft für Ausgebombte. Danach blieb der Bunker in der Verfügbarkeit der Bundesregierung und wurde 1962 erstmalig instandgesetzt. 1983/84 wurde der Bunker nochmals ertüchtigt und für den Katastrophenfall zu Zivilschutzzwecken vorgehalten. Der Zivilschutz fällt in die Zuständigkeit der Berufsfeuerwehr – hier der Stadt Köln -, die damit auch Nutzerin des Hochbunkers wird.

  • Die Bedeutung des Hochbunkers als Denkmal

Der Hochbunker Körnerstraße steht seit dem 25. April 1995 unter Denkmalschutz. Die Gutachterliche Stellungnahme des Landschaftsverbandes Rheinland zum Denkmalwert des Hochbunkers Körnerstraße führt zur Begründung aus:

„Der Denkmalwert des Hochbunkers in der Körnerstraße ist einmal in seiner stadtgeschichtlichen, zum anderen in seiner architekturgeschichtlichen Bedeutung begründet. Seiner Verbindung zur Stadtgeschichte, insbesondere der Ehrenfelder Juden, widerspricht nur scheinbar der Tatsache, dass der Bunker nicht anstelle der Synagoge errichtet wurde“ und weiter: „Die jüdische Vergangenheit Ehrenfelds, die Ereignisse der Judenverfolgung und die des Luftkrieges haben Planung, Bautätigkeit und Abriß in diesem Teil der Körnerstraße bestimmt und der Bunker als letzter Zeuge, zwingt zur Erinnerung an diese historische Verstrickungen.“ Abschließend resümiert das Gutachten: „Wenn im Denkmalschutzgesetz NW die historische Bedeutung eines Denkmals für Städte und Siedlungen gefordert wird, so ist diese im Falle des Ehrenfelder Bunkers eindeutig vorhanden. Aufgrund der Beispielhaftigkeit für eine spezielle architekturgeschichtliche Entwicklung – Bunkerbau als originäre Bauaufgabe des Dritten Reichs – ist er als ein Baudenkmal aus stadt- und architekturgeschichtlichen Gründen zu erhalten und nutzen.“

  • Die Nutzung des Hochbunkers als Ort der Erinnerung und der Kunst

Bereits seit vielen Jahren, wenn auch eher sporadisch, gibt es eine Nutzung des Bunkers als Ort der Erinnerung und als Ort für Kunst und Kultur – häufig in der Verbindung dieser beiden Themen.

Die nachweislich erste künstlerische Nutzung fand im Jahr 1981 statt. Daniel Spoerri, damals Professor an den Kölner Werkschulen, führte zusammen mit seinen Studenten im Rahmen des Festivals “Theater der Welt” die Kunst-Aktion “Promenade sentimentale” durch.

1988 gründete sich eine Initiative aus Ehrenfelder Bürgern, Mitgliedern der Ehrenfelder Bezirksvertretung, der Pfarrgemeinde Sankt Anna, der SPD, der CDU und Der GRÜNEN mit dem Ziel, den Bunker in eine Gedenkstätte des Progroms gegen die Juden in Ehrenfeld umzugestalten und in einem aufklärerischen Sinn gegen Völkerfeinschaft, Unterdrückung und Krieg zu nutzen.

Im September 1989 wurde anläßlich des 50sten Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges die Ausstellung „5:45 – Gestaltwechsel“ eröffnet. Es wurden Werke von Felix Droese gezeigt, u.a. die Papierskulptur „Ich habe Anne Frank umgebracht“. Professor Zamp Kelmp entwickelte auf Bitten der Initiative einen Umgestaltungsentwurf für den Bunker.

Im Sommer 1989 fanden sich rechtsradikale Parolen am Bunker: „Haut in weg den Türkendreck. Ja zu den REP`s NPD“. Dies zwang – und zwingt bis heute – die Verbrechen der Nazis nicht als Vergangenes, sondern als brandaktuelle politische Realität zu begreifen.

Der Kölner Jugendring brachte damals ein Transparent am Bunker an: „Ehrenfeld gegen Gewalt und Rassimus.“ Das Banner wurde am 10. November 2012 vom Jugendring erneuert. Eine Anmerkung: Der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund in Ehrenfeld lag zum 31. Dezember 2011 bei 34,3 %.
Im September 1991 beteiligte sich die „Initiative Gestaltwechsel“ im Rahmen der „TATA West  – Kunst an Gürtellinie“ des Ehrenfelder Kunstvereins mit einer Ausstellung von Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt im Bunker. 90 Zeichnungen, Aquarelle, Scherenschnitte und Collagen werden gezeigt, die zwischen Anfang 1943 und  Herbst 1944 in den (illegalen) Zeichenklassen der Bauhausschülerin Friedel Dicker-Brandeis (*30. Juli 1898 in Wien; 9. Oktober 1944 im KZ Ausschwitz) entstanden sind. Diese Ausstellung war bis dahin nur in der UdSSR, am staatlichen jüdischen Museum in Prag, in Yad Vaschem, Jerusalem und im Jüdischen Museum der Stadt Frankfurt zu sehen. Die Schirmherrschaft übernahmen Vaclev Havel (Präsident der ČSSR) und Johannes Rau (Ministerpräsident NRW).

  • Das Drama und die Hoffnung

2003 dann plötzlich das vorläufige Aus für die kulturelle Nutzung des Bunkers: Die Feuerwehr will den Bunker als Lagerraum nutzen und bemängelt zudem, Elektrik, Sanitäranlagen und Fluchtwege entsprächen nicht den Erfordernissen öffentlicher Gebäude.

Erst umfangreiche Investitionen von Bezirksvertretung  und städtischem Kulturamt in Brandschutzmaßnahmen ermöglichen ab 2007 erneut eine öffentliche Nutzung zumindest des Erdgeschosses des Bunkers. In den folgenden drei Jahren wurde der Bunker für zahlreiche Ausstellungen genutzt.

Im Frühjahr 2011 erfolgt erneut ein tiefer Einschnitt: Unangemeldet erscheinen zwei Mitarbeiter der Bundesimmobileinagentur im Büro des Bezirksbürgermeisters Josef Wirges und verlangen die sofortige Herausgabe der Bunkerschlüssel. Einziges Zugeständnis wird, dass die für 2011 geplanten Ausstellungen bis zum Jahresende stattfinden können..."

weitere Informationen zum Hochbunker und der momentanen Nutzung finden Sie unter www.bunkerk101.de